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Mobirise

Juli 2018







HPlus-Size-Boutique "Superwomen" muss schließen
Neue Räume verzweifelt gesucht
"Superwomen", die Spezial-Boutique für große Größen, muss schließen, wenn nicht noch ein Wunder geschieht
Altstadt/Oberneuland. "Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter laufen", das Motto, das bei "Superwomen" in der Dechanatstraße auf einem Schild an der Wand hängt, gibt ziemlich genau die Gemütslage wieder, in der sich Elin Astrid Becker und ihr Team befinden. Ob das "Krönchen richten" dieses Mal etwas bringen wird, ist äußerst ungewiss.

Denn nach mehr als 30 Jahren ist der Mietvertrag nicht verlängert worden. Das Argument des neuen Vermieters: Er bräuchte die Räumlichkeiten in der Nähe der Hochschule für Künste, um sie als Büro zu nutzen. So ganz mag die Boutique-Besitzerin aus Oberneuland immer noch nicht daran glauben. Auch ihr Angebot, mehr Miete zu zahlen, habe ihn nicht erweichen können, berichtet sie und fügt hinzu: "Ich finde es schon traurig, dass man als Gewerbebetrieb keinerlei Rechte hat".
Für Becker ist diese Entscheidung ein existenzbedrohendes Problem: "Ich finde in der Innenstadt keine adäquaten Räumlichkeiten. Die Mieten sind einfach zu hoch." Ähnliches gelte für das Viertel. Hinzu käme, dass der Mix von Einzelhandelsgeschäften ohnehin schon lange nicht mehr stimmen würde. Der Standort von "Superwomen" in unmittelbarer Nähe des Verkehrsknotenpunktes Domsheide sei ideal für sie und ihre Kundinnen, fügt die Geschäftsfrau hinzu.

Und die sind einigermaßen entsetzt, dass sie künftig auf die flippig-freche, pfiffige Mode verzichten sollen, die Becker selbst entwirft und mit einer Vollzeit-Schneiderin und zwei Teilzeit-Kräften kreativ umsetzt. Denn wenn nicht noch ein Wunder geschieht und sie doch noch neue Räumlichkeiten findet, muss sie ihre auf große Größen spezialisierte Boutique schließen. "Der Laden ist mein Leben. Aber das besonders Schlimme daran ist, dass dann mein gesamtes, tolles Team in die Arbeitslosigkeit geht, meine Schneiderinnen und die fünf Damen, die als Fachpersonal unsere Kundinnen gut kennen und sie persönlich beraten. Sie sind alle zwischen Ende 50 und Anfang 60 und werden es schwer haben, etwas Neues zu finden", bedauert sie und ergänzt: "Wir haben Stammkundinnen, die aus Berlin, Hamburg, München und sogar aus Massachusetts zu uns kommen".

Denn Elin Astrid Becker hat vor 31 Jahren einen Trend gesetzt, als die meisten Frauen, die Kleidergröße 44 aufwärts tragen, sich noch nicht träumen ließen, dass es eines Tages sexy Plus-Size-Models geben würde, die selbstbewusst zu ihren üppigen Kurven stehen. So ist die Gossip-Sängerin Beth Ditto sogar für Karl Lagerfeld zu einer Stil-Ikone avanciert. Über Jahrzehnte hinweg hat jedoch ein Modegeschmack vorgeherrscht, bei dem Couturiers ihre Size-0-Kreationen ihren Mager-Models auf den androgynen Körper schneiderten. Becker, die die Modebranche selbst von der Pike auf gelernt hat, kann sich noch sehr genau an die wenig schmeichelhafte Bezeichnung als "Trümmer" erinnern, die Frauen verpasst wurden, die Kleidergröße 44 aufwärts trugen: Kurvig galt nicht als sexy, sondern als altbacken. Das habe natürlich auch daran gelegen, dass Mode für stärkere Damen alles andere als vorteilhaft gewesen sei, räumt sie ein.

"Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie ich damals mit meinem Mann am Strand von Mallorca spazieren ging und mir dachte: Grauenhaft, da muss sich dringend etwas ändern. Schließlich bin ich selbst auch nie ganz schlank gewesen." Gesagt, getan, nachdem sie 1974 am Dobben zunächst ihr eigenes Atelier für Maßanfertigung geleitet hatte, in dem sie auch edle Stoffe verkaufte, entwarf sie ihre eigenen Plus-Size-Kreationen, in die sie nach wie vor die neuesten Trends einfließen lässt. Die fanden schon bald reißenden Absatz, später auch bei Kundinnen, die "nur" Größe 40 oder 42 haben. Der Name, der 1987 mit einer Modenschau in der Villa Ichon an den Start ging, ist Programm: "Superwomen", die andere Mode für in jeglicher Hinsicht starke Frauen. Für die Damen, die Größe 46 bis 52 und darüber hinaus tragen, dürfte es nun allerdings schwierig werden. "Viel mehr als die Hälfte der Damen tragen Größe 44 und größer", weiß Becker, die ihren Kundinnen ihre Mode auf den Leib schneidert, die eben nicht im Internet zu haben ist. "Durch unsere Eigenproduktion sind wir autark", betont sie.

Da sind beispielsweise die T-Shirts, die oben schmal geschnitten sind und unten glockig auslaufen. Oder die Hosen, die mit ihrem ausgefeilten Schnitt breiteren Oberschenkeln Rechnung tragen. Darüber hinaus hat Astrid Elin Becker ein Faible für die schönsten Stoffe, die dann meist auch die teuersten sind: Da gibt es beispielsweise Long-Blazer zu entdecken, in die eine wahre Blütenpracht eingewoben worden ist oder die in allen Grünschattierungen mit eingewebten Lurexstreifen schillern. Aber die Mode-Fachfrau liebt auch ausgefallene Accessoires wie Knöpfe, Seidentücher oder hochwertigen Designer-Modeschmuck aus Österreich.

Besonders geprägt hat Astrid Elin Becker ihre Gesellinenzeit bei dem Bremer Modezaren Dieter Tölke, der sein Atelier, in dem er auch Modenschauen veranstaltete, gleich im benachbarten Schnoor hatte: "Bei ihm habe ich viel gelernt. Seine Haute Couture, das war schon eine tolle Sache für Bremen", blickt sie zurück. Ihre Meisterprüfung legte sie schließlich 1971 in Hamburg ab. Anschließend arbeitete Astrid Elin Becker als Entwurfsdirectrice für junge Mode in der Industrie.
Krönchen zu richten und weiter zu laufen, das hat sie damals schon gelernt.

Quelle: https://www.e-pages.dk/weserkurier/15370/article/739864/5/3/render/?token=ed44cf2518a39f6db20849d57f1fec6b

ADRESSE

SUPERWOMEN
Dechanatstraße 3
28195 Bremen
Mitten in der Bremer City
Nähe Marktplatz
Bus- und Straßenbahnstation: Domsheide


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